750 Jahre Baar

Sporthistorie
Ein Beitrag von Dorothea Görgen

 
Die olympischen Spiele
Nach griechischer Überlieferung fanden im Jahr 776 v. Chr. die ersten Olympischen Spiele statt. Der Läufer Koroibos aus Elis ist laut Siegerliste der erste Olympiasieger der Geschichte. Er siegte im Stadionlauf, der einzigen Disziplin, die seiner Zeit ausgetragen worden ist. In diesen frühen Jahrhunderten besaßen die Spiele nur eine regionale Bedeutung: Für die ersten 15 Olympiaden sind nur Sieger verzeichnet, die aus der Peloponnes stammen.
 
Doch im 6. Jahrhundert v. Chr. waren die Olympischen Spiele ein überregionales Ereignis, eine „Manifestation des griechischen Nationalgefühls“ geworden. Die Spiele der Antike waren kulturell und politisch von unvergleichbar großer Bedeutung. Sie dienten als politisches Forum, da sowohl das Volk als auch Diplomaten und politische Vertreter aus allen Teilen der griechischen Welt zusammenkamen. Nach den Perserkriegen kamen die ewig zerstrittenen Griechen zur Einsicht, dass Olympia zum Symbol ihrer innerstaatlichen Eintracht werden sollte mit Orakel und Schiedsgericht.

Laufen ist die älteste Disziplin. Bei den ersten 13 Olympiaden war der Stadionlauf der einzige Wettbewerb. Sämtliche Läufe wurden barfuß durchgeführt und im Hochstart begonnen, der Tiefstart war noch unbekannt. Ab 720 v. Chr. kamen dann andere Sportarten wie Langstreckenlauf, Diskuswerfen, Weitsprung, Speerwerfen, Ringkampf, Faustkampf und Wagenrennen dazu.

 
Politische Konflikte innerhalb Griechenlands und der Einfluss des Römischen Reichs auf das antike Griechenland ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. wirkten sich auch auf die Olympischen Spiele aus. Vermutlich zum letzten Mal wurden die Olympischen Spiele der Antike im Jahr 393 n. Chr. ausgetragen, bevor der römische Kaiser Theodosius I. im Jahr 394 alle heidnischen Zeremonien verbieten ließ, zu denen auch diese Spiele gezählt wurden. Lange schien eindeutig festzustehen, dass die Spiele nicht mehr nach 426 n. Chr. ausgetragen werden konnten, da ein Brand den Zeustempel in diesem Jahr vollständig zerstörte. Doch jüngst haben archäologische Untersuchungen Hinweise darauf geliefert, dass in Olympia noch im 6. Jahrhundert Wettkämpfe stattfanden — wenn auch in bescheidenem Maßstab.

 
Ritterturniere im Mittelalter
Der Beginn der Turniergeschichte geht ungefähr auf die Jahre 1050 bis 1150 zurück. In Frankreich galt Gaufridus de Prulaco (Preuilly), der wohl zum ersten Mal ein Turnier nach Regeln durchführte und 1066 selbst uns Leben kam, Mitte des 11. Jahrhunderts als Erfinder des Turniers, während auf deutschem Gebiet angeblich der erste sächsische Kaiser im ostfränkisch-deutschen Reich, Heinrich I., als Urheber angesehen werden kann.

Das erste Turnier auf deutschem Boden soll am 12. August 1127 vor den Mauern der Stadt Würzburg zwischen den staufischen Brüdern Konrad und Friedrich „zum Hohn auf den in der Stadt eingeschlossenen Feind, König Lothar, veranstaltet“ worden sein.

In der Blütezeit waren Ritterturniere nicht einfach nur „sportliche“ Wettkämpfe. Sie fanden in der Regel im Rahmen festlicher Veranstaltungen statt. Das waren z.B. Zusammentritte des Landtages, Hochzeiten, Geburten, ausländischer Besuch und damit verbundene Machtdemonstrationen des Veranstalters u.a.

Es entwickelte sich schnell zu einem höflichen Fest mit Sängern, Dichtern und den adligen Damen, „die eine stimulierende wie zivilisierende Rolle zu spielen“ begannen, und gehörte somit zum Leben der höheren Schichten.
Da der Ritter seinen Bezugspunkt im christlichen Glauben sah, den er verteidigen gewillt war, war der Turniertag stets mit einem Gottesdienst verbunden. Dass an Turnieren viele Ritter wie auch Zuschauer teilnahmen, führte Niedermann auf das sowieso schon kurze, durch Kriege und Epidemien bedrohte Leben zurück. Die Gefahren des Lebens „drängten den Menschen nicht nur in den Schutz der Familie, der Burg, sondern ließen ihn auch seine Feste in vollen Zügen genießen“.
Ein beliebter Monat für Turniere war der Mai, in dem das Pfingstfest den Rahmen lieferte. Die Dauer eines Turniers richtete sich nach der Art der Festlichkeit. Wahrscheinlich dauerte es meistens eine Woche, es sind aber auch Turniere von 14 bis 15 Tagen bekannt.

 
Der erste deutsche Meister
in der Geschichte des modernen Sports war ein Ruderer. 1882 gewann der Frankfurter Achilles Wild (*1854,+1917) die deutsche Meisterschaft im Einer. Bis 1888 holte er sich noch fünfmal diesen Titel. Weltmeisterschaften waren zu dieser Zeit noch unbekannt, und Pierre de Coubertin hatte die Idee noch nicht aufgegriffen, die antiken Olympischen Spiele in moderner Form wieder zu frischem Leben zu erwecken. Wilds Verein, die Frankfurter Rudergesellschaft Germania, gab dann auch den Anstoß für die Gründung des deutschen Ruderverbandes 1883 in Köln.
Der deutsche Ruderverband ist der älteste deutsche Fachverband; ihm folgten mit eigenständigen Organisationen die Radfahrer (1884), die Kegler (1885), die Angler (1885), die Schwimmer (1886), die Segler (1888), die Eissportler (1890) sowie die Ringer und Gewichtheber (1891).
Vergleichsweise spät kamen die Leichtathleten (1898) und die Fußballspieler (1900) hinzu.

Die 1856 ins Leben gerufene deutsche Turnerschaft, die 1880 auf ihrem fünften deutschen Turnerfest in Frankfurt mit dem einheimischen Christian Meller den ersten Mehrkampfsieger vorstellte, kann ebenso wenig als Fachverband betrachtet werden wie Meller als deutscher Meister. Was Rekorde betrifft, so gehen die Recherchen des Berliners Ekkehard zur Megede, des bedeutendsten Forschers im Kreis des Leichtathletik-Statistiker , glaubhaft bis zum 10. Juni 1850 zurück, als der angeblich britische Berufsläufer Georg Seward in London die 100 Yards in 10,0 Sekunden zurücklegte. Zu jener Zeit war jeder Profi der kein Gentleman war (also Sport als Hobby betrieb) und bei Wettrennen (Läufe bei denen gewettet wurde) startete. Immerhin ist auch der erste Weltrekord eines Gentlemans über 100 Yard festgehalten: 10,0 Sekunden des Briten Thomas Bury bei einem Studentenrennen in Cambridge am 29. November 1855.

 
Im Frauensport gab es die ersten deutschen Meisterinnen wahrscheinlich im Schwimmen, wenn nicht 1900 im Wettbewerb 100 m beliebig (keine Stilvorschrift), dann auf jeden Fall 1913 mit der Berlinerin Gerda Tinius im Kunstspringen.

International gibt es auf die Frage nach den ersten Welt- oder Europameistern sehr viele Antworten. Im Golf erscheint der Engländer Willi Parks 1860 als Sieger der British Open. Im Tennis stellte sich 1877 der Brite Spencer Gore als erster Wimbledonsieger vor. 1881 begannen die US Open mit dem Sieger Richard Sears (USA), der in Folge bis 1885 gewann. All diese Wettbewerbe werden auch heute noch ausgetragen.

Im Berufsboxen reichen die Geburtstage bis in die Jahre 1882 bis 1889 zurück. Es ging dabei in verschiedenen Gewichtsklassen schon um Weltmeisterschaftskämpfe.

Im Hoch- und Weitsprung geht man sogar auf das Jahr 1827 zurück, als Adam Wilson in Innerleiten (Schottland) 1,57 m überquerte und 5,41 m weit sprang. In dieser Zeit soll der Dreispringer Andrew Battie (Schottland) schon auf 13,89 m gekommen sein -- eine schlichtweg unvorstellbare Weite.

 
Ein welthistorisches Datum der menschlichen Höchstleistungen (ohne technische Hilfsmittel) war der 25. August 1875: An diesem Tag durchschwamm der Brite Matthew Webb (*1848, +1883) in 21,45 Stunden den Ärmelkanal. 35-jährig starb er bei dem Versuch die Niagara-Fälle zu durchqueren. Inzwischen ist das Kanalschwimmen in einer nicht mehr zu überschauenden Rekordinflation zu einem Massenereignis abgesunken, das die Menschen kaum noch interessiert (und von dem auch nur noch selten berichtet wird).

Ordnung in alle möglichen Systeme brachten das Internationale Olympische Komitee (IOC), das am 23. Juni 1894 von Pierre de Coubertin (*1863, +1937) in Paris gegründet wurde. Mit der Einführung der Olympischen Spiele 1896 begann nicht nur die Sportpolitik, sondern auch die Internationalisierung des Sports mit allgemein gültigen Regeln und der Ethik des Fairplay. Der Sport, wie wir ihn heute vor Ort und über das Fernsehen kennen, ist das Ergebnis der Faszination, die von den Olympischen Spielen seit jeher ausgeht und die Massen bewegt.