Auswanderung


Die Auswanderung aus der Eifel war eine Auswanderung aus wirtschaftlichen Gründen.

Die Eifel ist im 19. Jahrhundert eine der ärmsten Gegenden Deutschlands. Die Beinamen rheinisches Sibirien und rheinisches Irland deuten auf sein rauhes Klima, seine abseitige Lage und auf die Armut seiner Bewohner hin.

Gründe der Armut
- Kriege
- Frondienste und Steuern
- Klimatische Verhältnisse und daraus resultierende Hungersnöte

So lag der Schnee 1816 bis in den Juni hinein. Am 29.September wurde das erste Heu eingebracht und das Korn reifte erst im Oktober. Im selben Monat setzte bereits der Frost ein und Anfang November fiel der erste Schnee. Aus dem Schnee gruben die Bauern die walnußgroßen erfrorenen Kartoffeln. Das Jahr 1817 brachte in der ganzen Eifel eine große Hungersnot. Die ärmere Bevölkerung aß Futterkräuter, Wurzeln, Kartoffellaub und man kochte Schnecken, die man mit der Brühe verzehrte. Wolfsbraten war ein gesuchter Leckerbissen.

Ende der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts kam es zu drei aufeinanderfolgenden Mißernten, die dann 1840 erneut zu einer katastrophalen Hungersnot führten. In den 50er Jahren des 19.Jahrhundert waren Kartoffeln und Brot das Hauptnahrungsmittel. 2/3 der Bevölkerung genoß nur einmal im Jahr Fleisch.

Das Realteilungserbrecht


Das Erbe wurde auf alle Kinder zu gleichen Teilen vererbt, was unter dem seit 1800 entstehendem Bevölkerungsdruck zur stetigen Verkleinerung der Ackerflächen führte, von der eine Familie zu leben hatte.

Das der Gesundheitszustand und die Körperkraft der Eifler aus den oben genannten Gründen nicht der Beste war, ist leicht begreiflich. Deutlich machen dies in besonderer Weise die Musterungslisten für den Heeresdienst. Waren im Landkreis Schleiden 1830 noch 25% der Gemusterten tauglich, waren dies 1852 nur noch 10 %. Diese Zahlen werden in unserem Gebiet ähnlich gewesen sein.

Auch waren die Löhne sehr niedrig. Ein Ungelernter verdiente gerade soviel, daß er sich pro Tag ein achtpfündiges Brot kaufen konnte. Brotschulden waren an der Tagesordnung. Die meisten Eifler trugen auch im Winter grobe, ungefärbte Leinen Gewand, während Wind und Wetter durch die verfallenen Lehmhütten zogen. Das aus diesen Gründen der Auswanderungsgedanke in den Köpfen der Menschen wuchs ist mehr als verständlich.

Eine Auswanderung aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt, wenn :
- der Ertrag der Felder so gering ist, dass eine Mißernte existenz bedrohend wirkt
- wenn bei einem längeren Verbleiben in der Heimat das Geld nicht mehr zur Zahlung der Passage nach Amerika reicht
- die lokalen Zustände den jungen Menschen voraussehbar keine besseren wirtschaftlichen Perspektiven bietet.

Seit der Hungersnot 1816/1817 gab es schon verschiedene Auswanderungswellen in der Eifel. Die Ansteckung der Auswanderungssucht erreichte den Landkreis Adenau jedoch erst im Winter 1827/1828. Dass den ausgedehnten Vorbereitungen 1828 nicht die Tat folgte, lag an den schlechten Erfahrungen, die Auswanderergruppen aus dem Raum Bitburg machten. Diese kehrten bald nach ihrem hoffnungsvollen Aufbruch enttäuscht zurück, da es keine Einschiffungsmöglichkeiten in den Häfen gab. Dadurch war die Auswanderungslust in der Hocheifel vorerst vergangen.

1840 wanderten die Familien Johann Frett aus Langenfeld, sowie Nikolaus Frett aus Virneburg aus. Ihre euphorischen Briefe aus der Neuen Welt lösten in der Hocheifel die erste große Auswanderungswelle aus. Allein aus der jetzigen Pfarrei Wanderath folgten ihnen bis 1890 fast 500 Bewohner, davon 83 aus Engeln. Ziel waren die Staaten Wisconsin, Illinois und Michigan, später auch Minnesota und Kansas.

Amerika war für die armen, hoffnungslosen Eifler das Land der Verheißung. 50 Dollar für 16 Hektar Land. Dieses war für den Eifler Bauern völlig unbegreiflich, konnte man hier dafür noch nicht einmal einen Morgen Land kaufen. Der Arbeitslohn entsprach mindestens dem Doppelten bis Vierfachen des in Deutschland üblichen Lohns. Ein weiteres Ziel war Bosnien. So kam es 1842 zur ersten großen Auswanderungswelle, der 1848, 1852, 1856, 1868, 1872 und 1881 weitere folgten.

Um auswandern zu dürfen, mußten entsprechende Geldmittel nachgewiesen werden. Dies war für die armen Menschen sehr schwierig. Das Land, sowie das ganze Hab und Gut wurden teilweise für ein Drittel des tatsächlichen Werts verschleudert. Die Zahl der Auswanderer wäre sicher noch größer gewesen, wenn die Bauern die Mittel zur Überfahrt gehabt hätten. Nachdem die nötigen finanziellen Mittel beschafft, die Entlassung aus der preussischen Staatsbürgerschaft erfolgt und die Schiffspassage bei den offiziellen Agenten bezahlt war, stand der Auswanderung nichts mehr im Wege. Von Neuwied ging es über Amsterdam oder Le Havre nach Amerika.

Insgesamt wanderten ca. 140.000 Eifler aus, eine Zahl, die gemessen an der Gesamteinwohnerzahl nur mit der Auswanderung aus Irland verglichen werden kann. 1822 wohnten in Engeln 47 Personen, 1882 waren es 54. In den Jahren 1846 und 1847 wanderten 25 Einwohner aus, bei der zweiten Welle in Engeln von 1856-57 sogar 32 Einwohner. Der Ort muß zeitweise zur Hälfte leer gestanden haben.

von Gerd Bungarten

Liste der Auswanderer in Engeln von 1842 - 1881

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