Fröhe wor et dabei noch schööön.........!!!


Früher war jedes Fest und Ereignis im Dorf Anlass genug sich in den Häusern zu begegnen. Trotz Armut wurde der Zusammenhalt in den Familien groß geschrieben. Ein ehemals Engeler Mädchen weiß noch ein paar Anekdoten und Bräuche von früher zu berichten, auch wenn es schon fast 80 Jahre zurückliegt. Eure Kinder können sich gar nicht vorstellen, mit wie wenig wir früher doch zufrieden und froh waren.

Sie fing an zu erzählen-


..etliche Wochen vor Weihnachten, wurde jeden Abend der Rosenkranz gebetet, jedoch den Rosenkranz, der Sonntag nachmittag in der Kirche gebetet wurde, durfte man nicht auf das Gebetskonto für Heilig Abend anrechnen. Bei vielen wurde sogar in ein Holzstückchen eine Strichliste eingeritzt, um zu sehen wie gut man in dieser Angelegenheit stand. Denn so und nur so konnte man reichlich Geschenke bekommen. Hatten sie ihren Eltern jedoch nicht kritiklos gehorcht, wurde sofort gemahnt, dass sich dieses Verhalten negativ auf den Gabentisch auswirken würde. Für den Gang vom Christkind durch das Dorf waren die Mädchen und Jungen ab 18 Jahren zuständig. Zu diesen besagten Anlässen wurde sich an den Abenden beim ältesten Mädchen im Dorf getroffen. Das Nikolauskostüm war nicht der rote Coca-Cola Weihnachtsmann, sondern eine alte Jacke wurde verkehrt herum angezogen, das Fell nach außen. Aus dem Hut wurde die Delle heraus gedrückt und etwas Hanf bedeckte das Gesicht. Jetzt noch die Sonntagsschuhe angezogen, und mit etwas Fantasie war die Sache perfekt. Der Nikolaus sowie das Christkind gingen in jedes Haus, dabei hörten die Glocken nicht auf zu schellen (sie wurden vorher vom Pflug abmontiert). Vor dem Gang durch das Dorf trafen sich die Mädchen und zwei Jungen. Sie nannte man auch die Esel vom Christkind. Aus diesem Grunde war es Brauch, das die Mütter vor ihren Haustüren einen Korb mit Heu oder Hafer stellten; das Futter wurde etwas zerrupft, weil die Eselchen angeblich daraus gefressen hatten. Während das Christkind seinen Rundgang machte, bekam es in jedem Haus eine Tüte mit Plätzchen, Nüssen und Äpfel. Diese Belohnung wurde unter allen Mitwirkenden aufgeteilt. Auch die zwei Jungen bekamen ihren Anteil. Sie warteten während der Dienstreise vom Christkind am Treffpunkt und beteten weiter den Rosenkranz. Die Geschenke beschrieb die Frau wie folgt:

Selbst genähte Schürzen, selbst gebackene Plätzchen, die nach Schuhkarton schmeckten, und im Geschenkkorb lagen immer frische Äpfel und selbstgebackene Weckmänner. Die angeblich im Himmel die Englein gebacken hatten, und die das Christkind ja sowieso in allem ganz toll unterstützten.
Dieses geschah alles in geheimer Mission. Höhepunkt war der Weihnachtsbaum in den Stuben. Diesen gingen dann alle Kinder aus dem Dorf von einem Haus zum anderen gucken und sangen Lieder. Und auf den holprigen Wegen waren die Spuren, die ihr Schuhwerk hinterließen, nicht zu übersehen.


...so war es in der Karwoche vor Ostern üblich und eigentlich auch von Nöten, dass aus jedem Haus, die Kinder in den Wald gingen um Osterholz zu sammeln (bevorzugt Buchenholz). Damit wurde der Küchenofen so richtig geheizt (gestocht). Nun konnte man die Ostereier hart bis fast grün kochen. Zur Färbung der Eier wurde ein Sud aus Zwiebelschalen hergestellt. An Ostern wurde die Kirche sehr oft besucht. Angefangen an Gründonnerstag, Karfreitag und an Ostersonntag war die erste Messe bereits um sechs Uhr in der Früh.
Vor Anbeginn dieser Messe ging der Pastor mit seinen Schäfchen dreimal um die Kirche herum, klopfte dabei mit seinem Kreuz an die Eingangstüre und sprach ein Gebet. Der Volksmund sagt, so würde der Judas verjagt. Danach wurde die Kirchentüre geöffnet und mit dem ersten Osterlied, begann die Auferstehungsfeier. Um 15:00 Uhr, folgte die Vesper, natürlich ganz in Latein gelesen. Vor der Vesper war es noch Sitte, dass alle Mädchen über 18 Jahren jedem Engler Dorfjungen zwei Ostereier schenkten. Nicht ganz uneigennützig, denn somit wurden die jungen Herren zur Gegenleistung verpflichtet. Sie mussten von nun an die Mädchen auf dem Weg zu den Tanzveranstaltungen durch den dunklen, gruseligen Wald mitnehmen und beschützen.


...kam in Engeln Nachwuchs an (was zu der Zeit, nicht selten vorkam), so war es unbedingt erforderlich und von der Kirche gewünscht, dass das Neugeborene, ein Tag nach der Geburt getauft wurde. Die Frauen aus der ganzen Nachbarschaft, kamen und halfen, den Täufling für die Kirche und den weiten Weg dorthin herzurichten. Auch bei den anderen Festvorbereitungen standen sie zur Seite. Der Brauch wollte es jedoch, dass es nur der ältesten Frau gestattet war, das Kindlein anzuziehen. Ferner kamen an dem Tag auch alle Kinder aus Engeln um das neugeborene Ditzchen zu gucken. Als Dankeschön für ihren Besuch wurde jedem eine Scheibe Weißbrot, mit dick Butter, und ein Stück Würfelzucker gegeben. Die Mutter von dem Winzling, musste so kurz nach der Geburt noch ihr Bett hüten.
Da sie ja diejenige war, die das Meiste zu diesem freudigen Ereignis beigetragen hatte, wurde sie nach der Geburt von ihrem Mann mit einer Suppe verwöhnt.
Keine Maggi-Festtagssuppe, sondern nur mit Brot, Wasser und Milch zubereitet.
Den tieferen Sinn der dürftigen, heißen Brühe verstand man darin, dass sich ihr etwas verformter Bauch schneller wieder zurückbilden würde. Einmal verweigerte eine junge Frau ihr armseliges Süppchen und konnte es wirklich nicht essen. Da meinte der frisch gebackene Papa, sooo kann ich die auch nicht essen. Ich schlage mir noch ein Ei rein und dann löffele ich sie halt selbst aus. So muß früher wie heute jeder mal eine Suppe (oder was auch immer geschieht), auslöffeln, die nicht ganz seinem Geschmack entspricht.
Das waren nur einige Episoden, die die heute 82jährige Frau aus Engeln erzählte.

Jedoch, sie weiß noch vieles, vieles, vieles mehr ....

von
Elfriede Jütte

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