Die Mühlen

Eine Mühle (althochdeutsch muli; aus lateinisch molina beziehungsweise lateinisch molere = mahlen) ist ein Gerät, eine Maschine oder eine Anlage, um stückiges Aufgabematerial zu einem fein- oder feinst körnigem Endprodukt zu zerkleinern. Daher ist oft außer einer Zerkleinerungsvorrichtung auch eine zur Größentrennung (Sieben, Sichten) vorhanden.

Historisch wird der Begriff Mühle im weiteren Sinn für gewerbliche Anlagen verwendet, die mit Wind- oder Wasserkraft betrieben werden (Papiermühle, Sägemühle, Steinmühle). Bei geringeren Anforderungen an den Feinheitsgrad des Endprodukts werden Brecher zur Zerkleinerung verwendet.

Bild rechts: Die Nitzer Mühle, liebevoll restauriert und betriebsbereit gemacht von Frau Kehlenbach


1. Die Entwicklungsgeschichte der Mühlen
Die Geschichte der Mühlen beginnt mit dem Anbau von Getreide durch sesshaft gewordene Nomaden. Verbunden mit dem Anbau von Getreide ist die Notwendigkeit der Zerkleinerung, die anfangs mit Hilfe sogenannter "Reibsteine" geschah: auf einem flachen Bodenstein wird mit einem zweiten, abgerundeten Stein das Getreide zerrieben.

Etwa um 4000 v. Chr. ist in Altbabylon und später auch bei den Ägyptern und Assyrern diese frühe Mahlstein - Technik nachweisbar. Auf einer nächsten Stufe der Mahltechnik- Entwicklung finden sich Mörser, in denen das Getreide zerstampft wird. Aus diesen Mörsern entwickeln sich allmählich sog. Trog- bzw. Handmühlen (Querne), bei denen in einem gleichmäßig ausgehöhlten Bodenstein ein Drehstein mittels eines Handgriffs in drehende Bewegung versetzt wird.

In der nächsten Entwicklungsstufe finden sich durch Tierkraft angetriebene Mühlen. Der Dreh- oder Läuferstein wird mit einer Deichsel ausgerüstet und in einem immerwährenden Kreislauf dreht das Tier den Läuferstein auf dem Bodenstein und zermahlt dabei das Getreide zwischen den beiden Steinen. Anstelle der Tiere wurden vielfach auch Menschen für diese Arbeit eingesetzt.

Die nächste Stufe in der Entwicklung der Mühlentechnik stellt die Erfindung des Wasserrades dar. Rund 3000 Jahre v. Chr. legten die Sumerer im Zweistromland Mesopotamien Felder mit Bewässerungsgräben an. Treträder zum Schöpfen von Wasser auf die Felder sind bereits 1200 v. Chr. dort bekannt. Aus diesen Tretmühlen wird, wahrscheinlich um 300 v. Chr., ein von Wasserkraft getriebenes Wasserschöpfrad entwickelt, die sog. "noria". Damit macht sich der Mensch zum ersten Male in seiner Entwicklungsgeschichte die Naturkraft zunutze. Das Wasserrad wird weiterentwickelt, der römische Architekturwissenschaftler Vitruv beschreibt 10 v. Chr. den Funktionsmechanismus einer "molina", einer Wassermühle. Dieser Meilenstein der Technikgeschichte tritt alsbald seinen Siegeszug als damalige "High technology" durch ganz Europa an.

Die erste Wassermühle in Deutschland wird an einem Nebenfluss der Mosel gelegen haben. Das Vordringen der Wassermühlen bis in den Nordseeraum vollzieht sich bis ca. 800 n. Chr. Die Müllerei gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Einige Jahrhunderte nach den Wassermühlen kamen die Windmühlen auf. In Deutschland entstanden die ersten Windmühlen im 11. Jahrhundert. Die älteste Form ist die sogenannte "Bockwindmühle" oder auch "Deutsche Mühle" genannt. Später kommen andere, leistungsfähigere Mühlentypen hinzu, insbesondere die "Holländerwindmühlen".

Das Ende der Wind- und Wassermühlen tritt im Zuge der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert durch die Erfindung der Dampfmaschine, des Verbrennungsmotors und des Elektromotors ein. Vollautomatisierte Großmühlen bilden mit ihrer um ein vielfaches größeren Ausbaukapazität eine übermächtige Konkurrenz.

Heute sind die Wind- und Wassermühlen nahezu vollständig von modernen Großmühlen verdrängt worden.

Da es eine Unmenge von Mühlenarten gibt, habe ich mich auf die wesentlichen beschränkt, da über dieses Thema bereits viele Bücher geschrieben wurden.

Wichtige Personen der Mühlengeschichte
1. Vitruv
Er wurde wahrscheinlich um 70-60 v. Chr. als freier römischer Bürger in Kampanien geboren. Als junger Mann genoss er nach eigenen Angaben eine Architektenausbildung, die zur damaligen Zeit auch das Ingenieurwesen umfasste. Im Bürgerkrieg war er unter Gaius Iulius Caesar für den Bau von Kriegsmaschinen verantwortlich und zog mit diesem auch nach Spanien, Gallien und Britannien. Nach Caesars Ermordung im Jahr 44 v. Chr. übernahm er die gleiche Funktion auch im Heer von Kaiser Augustus und wurde um 33 v. Chr. aus dem Heeresdienst entlassen. Danach arbeitete er als Architekt und als Ingenieur am Bau des Wassernetzes in Rom, wo er neue Normen für Rohrgrößen und -systeme einführte. Zu seinen Errungenschaften als Architekt gehörten der Bau der Basilika von Fanum Fortunae, dem heutigen Fano. Er beschrieb auch als Erster Töne als eine Bewegung der Luft, erkannte bereits die Wellennatur des Schalls und verglich dessen Ausbreitung mit der von Wasserwellen. Im Alter verlegte er sich auf das Schreiben und profitierte dabei von einer Pension, die ihm Augustus zugestanden hatte, um seine finanzielle Unabhängigkeit zu garantieren. Zwischen 33 und 22 v. Chr. entstand dann sein Werk, "Zehn Bücher über Architektur" ("De architectura libri decem"). Über das Todesdatum Vitruvs gibt es keinerlei Angaben, was darauf schließen lässt, dass er zu Lebzeiten nur geringe Popularität genoss. Wahrscheinlich starb er etwa um das Jahr 10 v. Chr..

Werk
Die "Zehn Bücher über Architektur" sind das einzige erhaltene antike Werk über Architektur und nach Vitruvs eigenen Angaben auch das erste lateinische Werk überhaupt, das eine umfassende Darstellung der Architektur zum Ziel hat. Die Bücher sind dem Kaiser Augustus als Dank für dessen Förderung gewidmet. Sie weisen den Charakter eines Lehrbuchs mit literarischen Anklängen auf und gehören somit eher dem Sach- als dem Fachbuchgenre an. Die älteste bekannte Abschrift stammt aus dem 9. Jahrhundert, insgesamt sind über 50 Handschriften der "Zehn Bücher über Architektur" erhalten.

2. Johann Niclas Müller
Johann Niclas Müller (* 23. Juli 1669 in Erzenhausen; † 30. Dezember 1732 in Neustadt an der Weinstraße) war einer der wichtigsten technischen Neuerer auf dem Gebiet der Mühlentechnik.

Leben
Über die Kindheit und Jugend Johann Niclas Müllers ist wenig bekannt. Seine jungen Jahre der Lehre und Ausbildung zum Müller verbrachte er vermutlich in Orten der heutigen Verbandsgemeinde Weilerbach. 1693 erwarb er von Daniel Jung die "Pfeifermühle" in Eulenbis. Wegen Unklarheiten darüber, ob der "Besitzer" seine Mühle wirklich besitzt und ob er das Verkaufsrecht habe, zog sich der Verkauf bis 1700 hin. Wie bereits sein Vorgänger bemühte er sich vergeblich, seine Mühle zur Bannmühle zu erheben. 1703 heiratete Müller Luise Katharina Reisser (1687-1723). Mit ihr hatte er fünf Kinder, die überlebten. In den Jahren zwischen 1700 und 1719 verbesserte er sukzessive die Technik der Kräfteübertragung in seiner Mühle, was seine heutige Bedeutung ausmacht. 1719 und 1721 brannten Teile der Mühle ab. Man geht von Brandstiftung missgünstiger Konkurrenten aus. Johann Niclas Müller musste die Mühle verkaufen, da er nicht genug Geld hatte, die Mühle wieder aufzubauen. Er starb verarmt in Neustadt.

Historische Bedeutung
In der Geschichte der Mühle kommt Johann Niclas Müller eine ähnliche Bedeutung zu wie später Oliver Evans. Nachdem sich seit dem Mittelalter technisch wenig an der Technik verändert hatte, bestand die Leistung Müllers vor allem darin, die Kraft effizienter zu übertragen. Wurde sie bei älteren Mühlen vor allem durch Riemen und Bänder übertragen, ersetzte Müller dies durch eine komplizierte Zahnradmechanik. Anregungen dazu holte er sich möglicherweise bei großen Uhrwerken. Dadurch konnte er, auch wenn wenig Wasser auf sein Mühlrad floss, die Kraft effizienter nutzen und hatte einen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber seinen Konkurrenten. Er wurde schnell kopiert, und so verbreitete sich seine Technik, ohne mit seinem Namen verbunden zu sein.

3. Heinrich Auer
Heinrich Auer (* 28. November 1825 in Köln; † 31. Mai 1892) war ein deutscher Industrieller und Kölner Unternehmer, der Mehlmühlen betrieb.

Errichtung von Mühlen
Heinrich Auer war der Sohn von Alois und Katharina Auer, geb. Schreiner. Er wuchs mit 6 Geschwistern auf. Bereits im Jahre 1850 begann er in Köln-Nippes durch die Errichtung einer Dampfmühle mit der Industrialisierung dieses Stadtteils. Es handelte sich um eine Getreidemühle, die den steigenden Bedarf an Mehlprodukten in den stetig wachsenden Großstädten decken sollte. Diese Mühle wurde am 4. Dezember 1850 in der heutigen Auerstraße/Ecke Niehler Straße (damals Niehler Weg) in Betrieb genommen und verarbeitete Weizen zu Mehl. Auer war damit einer der ersten Müller, die Dampfkraft einsetzten. Eine weitere Mühle entstand 1866 an der Kölner Landsbergstraße. Dies war der Beginn des drei Generationen umfassenden Auer-Imperiums von Mehlmühlen. Die wind- oder wassergetriebenen Mühlen wurden hierdurch endgültig durch dampfgetriebene Mühlen zurückgedrängt. Heinrich Auer war zwischen 1856 und 1868 und 1871 bis 1876 Mitglied des Kölner Stadtrates.


2. Die Arten und Einteilung der Mühlen

2.1. Nach den Produkten (moderne Einteilung)
2.1.1. Mahlen, Zerkleinern
Eisenmühle, Erzmühle (Pochwerk), Farbmühle, Futtermühle, Gesteinsmühle, Getreidemühle, Gewürzmühle, Kaffeemühle

2.1.2. Quetschen, Stampfen, Pressen
Ölmühle, Zuckermühle, Senfmühle

2.1.3. Be- oder Verarbeiten
Schälmühle, Drahtziehmühle, Eisenmühle, Flachsmühle, Lohmühle, Papiermühle, Sägemühle, Wasserschöpfmühle

2.2. Nach der Art der Konstruktion (moderne Einteilung)
Hammermühle, Kugelmühle, Strahlmühle, Rohrmühle, Rotormühle

2.3. Nach der Art des Antriebs (historische Einteilung)
2.3.1. Antrieb durch Muskelkraft (Mensch/Tier)
Mahlstein (Reibestein, auch Sattelmühle genannt), Mörser, Feldmühle/Wagenmühle, Tretmühlen

2.3.2. Antrieb durch Wasserkraft
Wassermühle, Schiffsmühle


ein oberschlächtiges Wasserrad
Wassermühlen

Wassermühlen sind die ältesten vom Menschen genutzten Maschinen, die nicht durch Muskelkraft (von Menschen oder Tieren) angetrieben wurden. Durch Wasserkraft angetriebene Schöpfräder zur Bewässerung ("Noria") sind bereits aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. aus Mesopotamien bekannt. Erste Mahlmühlen mit Wasserkraftantrieb sind aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. aus Asien (China) belegt. Auch die alten Ägypter, Perser und später die Griechen und Römer verwendeten Wassermühlen, wie es aus einem Gedicht von Antipatros von Thessalonike, einem Reisebericht des Geographen Strabo oder den detaillierten technischen Beschreibungen von Philon von Byzanz oder Vitruv bekannt ist.

ein mittelschlächtiges Wasserrad
Bei Barbegal in Südfrankreich wurde ein römischer Mühlenkomplex mit 16 Mühlrädern gefunden, der aus dem 3. Jahrhundert stammt und der über ein Aquädukt versorgt wurde.

Die Römer brachten die Wassermühlentechnik auch nach Deutschland, wie durch einen Fund bei Düren im Rheinland aus der Zeit um Christi Geburt erkennbar ist. In einem Reisebericht Mosella aus dem Jahre 368 erwähnt der römische Beamte Ausonius erste Wassermühlen an Kyll und Ruwer, Nebenflüssen der Mosel. Im fränkischen Volksgesetz Lex Salica aus der Zeit um 450 werden Wassermühlen mit Stauwerk ("Farinarius") erwähnt. Die älteste durch archäologische Funde nachgewiesene Wassermühle stand in Deutschland bei Düren.

Ab dem Mittelalter waren Wasserräder als Antrieb von Mahlmühlen und verschiedensten anderen Maschinen in ganz West- und Mitteleuropa bis in den Nord- und Ostseeraum verbreitet.

ein unterschlächtiges Wasserrad
Mit zunehmender Verbreitung benutzten die Machthaber und Grundherren die Wassermühlen als Einnahmequelle für Steuern. Neben dem Mühlenrecht und dem Mühlenzwang, der für Mühlen mit Antrieben aller Art und insbesondere für Getreidemühlen galt, waren für Wassermühlen noch einige zusätzliche Regularien von Bedeutung: Für die Nutzung des Staurechtes wurde meist eine besondere Abgabe fällig (Wassererkenntnis, Wasserzins).

Ab dem 17. Jahrhundert fanden wasserkraftgetriebene Maschinen ("Wasserkunst") auch starke Verwendung im Bergbau und im vorindustriellen Gewerbe. Mit der Industrialisierung konkurrierten die Wassermühlen, wie auch Wind- und Göpelmühlen, zunehmend mit flexibel einsetzbaren und leistungsfähigen Dampfmühlen, mit Verbrennungsmotoren und schließlich mit elektrisch angetriebenen Mühlen. Die industriellen Großmühlen verdrängten mehr und mehr die kleinen klassischen Handwerksmühlen. Diese wurden unwirtschaftlich, so dass es Ende des 19. Jahrhunderts zu einem "Mühlensterben" kam.

 
In der Mitte des 20. Jahrhunderts besann man sich, nachdem bereits viele Wasser- und Windmühlen stillgelegt und abgerissen waren, auf die Bedeutung dieser Bauwerke als Technikdenkmal. Ein Teil der Mühlen konnte so in mehr oder weniger ursprünglichem Zustand als Technikmuseum oder für andere Zwecke (oft als Restaurant o.ä.) erhalten werden.

Seit Ende des 20. Jahrhunderts werden historische Wassermühlen im Zuge der verstärkten Bedeutung der klimaneutralen erneuerbaren Energien verstärkt wiederbelebt und zu Kleinwasserkraftwerken um genutzt. Die Basis hierfür bilden moderne Wasserräder, die den historischen Charakter der Mühle erhalten und so dem Denkmalschutz gerecht werden, die aber in ihrer Effektivität den Wasserturbinen kaum nachstehen.

Ein Wasserrad ist ein Rad, das durch Wasserkraft in Rotation versetzt wird. Hierbei wird die potentielle bzw. kinetische Energie des Wassers genutzt, um Generatoren, Mahlwerke, Hammerwerke oder Wasserschöpfwerke anzutreiben.


Schiffmühle
Schiffmühlen
Hierbei liegt das Schiff fest vertäut im Fluss, das Wasserrad treibt die Mühle auf dem Schiff an. Die Schiffsmühle hat den Vorteil, dass sie mit dem Wasserspiegel aufschwimmt oder absinkt und dadurch immer dieselbe Wassermenge zur Verfügung hat.


Gezeitenmühle
Gezeitenmühle
Eine Gezeitenmühle (seltener auch Tide(n)mühle oder Flutmühle genannt) wird periodisch mittels Ebbe und Flut entlang der Küsten mit ausreichendem Tidenhub angetrieben. Sie ist mit herkömmlichen Wassermühlen verwandt und kann witterungsunabhängig ganzjährig betrieben werden.


Windmühlen

Bockwindmühle
- Bockwindmühle
Die Bockwindmühle (auch Ständermühle, Kastenmühle oder Deutsche Windmühle) ist der älteste Windmühlentyp in Europa. Kernmerkmal dieses Mühlentyps ist es, dass das gesamte Mühlenhaus auf einem einzelnen dicken Pfahl (dem "Bock") steht, auf dem es mit der Hebelwirkung vom Außenbalken in den Wind gedreht werden kann. Diese Methode ist jedoch bei wechselnden Windrichtungen nicht optimal und sehr beschwerlich.

Aufbau einer Bockwindmühle:
1 Bockgerüst
2 Treppe und Feise
3 Sterz
4 Kammrad
5 Flügelkreuz
6 Hausbaum
7 Mehlbalken
8 Steinboden
9 Mehlboden
10 Sattel



Blick in das mechanische Innenleben einer schwedischen Bockwindmühle auf der Insel Öland.
Paltrockwindmühle
- Paltrockwindmühle
Eine Paltrockwindmühle ist eine umgebaute Bockwindmühle, bei der das Mühlengebäude auf einen Rollenkranz gelegt wurde. Durch diese bauliche Veränderung konnte die Mühle vergrößert werden und mehr Maschinen oder Mahlgänge aufnehmen.


Holländerwindmühle
- Holländerwindmühle
Die Holländerwindmühle (regional auch Kappenwindmühle, in den Niederlanden allgemein bovenkruier (Obendreher - d. h. mit drehbarer Haube oder Kappe) genannt) ist die modernste Entwicklung der klassischen Windmühle. Dieser Windmühlentyp verdrängte im 16. Jahrhundert, vor allem in den Niederlanden und in Norddeutschland, die vorher gebauten Bockwindmühlen.


Windmühlen in West-Sibirien um 1910



Kokerwindmühle
- Kokerwindmühle
Grundlegende Neuerung des Mühlentyps "Kokermühle" gegenüber der "Bockmühle" war die Verlegung des Großteils der Mühlenmechanik und -räumlichkeiten in den Mühlensockel, der sich vom einfachen Ständer (dem "Bock") der Bockmühle zu einem fest umschlossenen Raum mit Holzwänden oder zu einem steinernen Gebäudeteil entwickelte. Möglich wurde dies durch die Versetzung der Königswelle in die Mühlendrehachse ("Hausbaum"), indem man den Hausbaum - den Dreh- und Angelpunkt der Bockmühle - durch einen Eichenholzhohlzylinder, den Köcher (plattdeutsch und niederländisch "Koker"), ersetzte.


Scheunenmühle
- Scheunenmühlen
Die Scheunenwindmühle in Saalow, teils auch nur als Scheunenmühle bezeichnet, ist eine weltweit einmalige Windmühle. Sie stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde ursprünglich im heutigen Dresdener Ortsteil Podemus errichtet. Die Mühle wurde so konstruiert, dass der Wind, der die Flügel antreibt, direkt durch das Gebäude hindurchströmt und nicht, wie allgemein üblich, um die Mühle herumgeleitet wird. Von Fachleuten wird sie daher mitunter als "hölzerne Windturbine" klassifiziert.


Dampfmaschine
Antrieb durch Motorkraft

- Dampfmaschine
Eine Dampfmaschine im engeren Sinne ist eine Kolben-Wärmekraftmaschine, das heißt eine Maschine, die die in Dampf enthaltene Wärmeenergie (auch Druckenergie) mittels eines Kolbens teilweise in mechanische Arbeit umwandelt.


Eine Lokomobile als Antrieb einer Dreschmaschine in Groß-Gerau am Ende des 19. Jahrhunderts
- Lokomobile
Eine Lokomobile ist eine Dampfmaschinenanlage in geschlossener Bauform, bei der alle zum Betrieb der Anlage erforderlichen Baugruppen (Feuerung, Dampfkessel, Steuerung sowie die gesamte Antriebseinheit, bestehend aus Zylinder(n), Kolben, Kurbelwelle und Schwungrad mit Riemenscheibe) auf einer gemeinsamen Plattform montiert sind.

Lokomobilen konnten ortsbeweglich und ortsfest montiert werden. Im Gegensatz zum Automobil waren Lokomobilen in ihrer Grundform nicht "auto-mobil", also selbstfahrend - der Begriff "mobil" bedeutet nur, dass die Anlage Räder hat und somit zumindest passiv bewegt werden kann.

Die Lanz-Lokomobile bei der Moorseer Mühle im Einsatz an einer Dreschmaschine



Mühlsteine
Die ursprüngliche Form besteht aus zwei Mühlsteinen, die das Mahlgut zerkleinern. Dabei liegt der untere Stein, der Bodenstein, fest, während sich der oben liegende, der Läufer oder Läuferstein, durch die Steinspindel über ein Mühleisen angetrieben, dreht. Diese beiden Steine werden durch eine sie umgebenen Holzbütte eingefasst. Das durch das im oberen Stein angebrachte Mahlauge (auch: Steinauge) zugeführte Mahlgut gerät zentral mit Hilfe des "Schlucks" zwischen die Steine. Dieser Schluck ist ein Hohlraum in den aufeinander liegenden Mahlsteinen, der die Zufuhr des Mahlgutes begünstigt. Die beiden Mahlsteine schweben aufeinander mit einem kleinen Spalt. Der Abstand des Spaltes ist über das Aufhebzeug (Hebel) oder Spindel variabel und wird kleiner als der Durchmesser des Mahlguts eingestellt. Im Idealfall berühren sich die Steine nicht.
Durch die Rotationsbewegung des oberen Steins und die auf dem Stein aufgebrachte "Steinschärf" wird das Mahlgut zerschnitten und zerrieben (weniger zerquetscht) und fällt außen aus dem Mühlsteinspalt heraus und wird in der die Steine umgebenden Bütte gesammelt und über einen Absackstutzen abgeführt.
Die Aufgabe der Bütte ist weiterhin, den Mahlgang einzukapseln und so den entstehenden Staub und die Feuchtigkeit zurückzuhalten und gegenüber Umgebungseinflüssen zu isolieren. Weiterhin leitet die Bütte das entstehende Mahlgut in die dafür eingerichteten Absackstutzen.
Wichtig ist ein möglichst gleichmäßiger Ablauf des Mahlprozesses, von der Zuführung des Mahlguts durch die Speiseinrichtung über die gleichmäßige Rotation des Läufers bis hin zu einer guten Lüftung des Mahlgangs um Feuchte und Wärme abzuführen. Vor allem die gleichmäßige Rotation ist bei Windmühlen die Herausforderung, steht mit dem Wind doch nur eine unregelmäßige Energie zur Verfügung.
Da beim Dinkel die Spelzen, anders als beim Weizen, mit dem Korn fest verwachsen sind, muss er vor der Vermahlung entspelzt werden. Dazu bediente man sich früher eines "Gerbganges". Dies ist ein Mahlgang, bei dem der Abstand zwischen den Steinen größer gewählt wurde, sodass das Korn nicht schon zerkleinert wurde.

Steinsorten
Die Steine müssen gleichmäßig hart und scharf porös sein. Das erreichen sie durch die Eigenschaft, mineralisch möglichst scharfkantig zu brechen, eine Art Selbstschärfung, die Mahlfläche muss rau bleiben. Die Steine können aus mehreren Steinbrocken zusammengesetzt werden, die höheren Qualitäten sind aus einem Stück.
- Franzose: Süßwasserquarz. Höchste Qualität, Fundort meist La Ferté-sous-Jouarre, Frankreich, daher auch Champagnerstein, für höchste Mehlqualitäten eingesetzt.
- Jonsdorfer Sandstein: In den Mühlsteinbrüchen von Jonsdorf (Sachsen) wurden sehr hochwertige Mühlsteine gebrochen. Der Sandstein in dieser Gegend wurde durch vulkanischen Einfluss gehärtet (gefrittet) und zeigt ähnlich gute Mahlqualität wie die französischen Steine.
- Porphyr und Granit: Hart und sehr porös, für hohe Qualitäten.
- Blauer oder Deutscher: Poröse Basaltlava, für mittlere Qualitäten. In den Steinbrüchen im Raum Mendig und Mayen wurden seit dem Mittelalter, teils auch schon in vorgeschichtlicher und römischer Zeit Mühlsteine aus Tephritlava hergestellt.
- Sandsteine: Harte Sandsteine. Niedere Qualität. Wegen mehr oder weniger starkem Abrieb nur für Futterschroterei eingesetzt.
- Kunststeine: Künstlich aufgebaute Steine, ab Anfang des 20. Jahrhunderts produziert, allseitig einsetzbar.


Einige Mühlen in der näheren Umgebung

Die Bauerschmühle

Die Bauerschmühle in Nitz stand auf der rechten Bachseite und gehörte zu Lind-Nitz und damit zur Grafschaft Virneburg, während der Ortsteil auf der linken Bachseite zum kurkölnischen Amt Nürburg gehörte. Von Nitz erfahren wir schon 1336 "ein Malter Mühlenmaß Roggen", was sicher ein Hinweis auf eine dortige Mühle ist. Die älteste Nachricht der Bauerschmühle haben wir von dem 1511 in Nitz geborenen Müllermeister Johann Baur. Er war 1594 Augenzeuge bei der Hexenverbrennung der Booser und Nachtsheimer Frauen (s. Jahrbuch Mayen-Koblenz 1986, 134ff.). 1552 wurde er mit 400 Gulden Vermögen zur Türkensteuer veranlagt. Dies war sehr viel, denn mehr als die Hälfte aller Untertanen in der Grafschaft Virneburg hatte zu der Zeit nur ein Vermögen von weniger als 100 Gulden. Johann Baur war auch einige Jahre Heimbürger von Lind und von Lind-Nitz (damals Tholtz-Nitz).
Im 16. Jahrhundert hatte sich der Name Bauers-Nitz und Bauers-Mühle noch nicht durchgesetzt. Daraus können wir schließen, dass die Mühle schon längst vor Johann Baur bestand, also schon vor 1500. In der Linder Grenzumschreibung von 1596 heißt sie immer noch Hermanns-Mühle. Den Namen Bauerschmühle kennen wir seit dem frühen 17. Jahrhundert. Nachdem der Müller Wagner die Mühle im 19. Jahrhundert erwarb, blieb sie im Besitz dieser Familie.
Der letzte Müllermeister war Peter Wagner (1889 - 1955). Er baute die Mühle 1948 nochmal um, bevor sein Sohn sie 1956 endgültig stilllegte. Für kurze Zeit war sie noch in privater Nutzung. Heute dient sie als Wohnhaus.


Die Dreeser Mühle

In Nitz fließt der Krebsbach in die Nitz. Am oberen Krebsbach bei Drees, dort wo Krebsbach und Quakbach zusammenfließen, stand die alte Dreeser Mühle und der Mühlenhof. Die Mühle wird schon 1556 erwähnt und war die herrschaftliche Bannmühle für das Schultheißenamt Welcherath, im kurkölnischen Amt Nürburg. Der Mühlenhof war in Erbbestand verpachtet. 1728 zahlte der Pächter Nikolaus Retterath ein Malter Korn, drei Malter Hafer und zwei Pfund Wachs an Pacht. Der Urgroßvater des letzten Müllers Jakob Manheller kaufte die Mühle im 19. Jahrhundert auf, seitdem blieb sie im Besitz dieser Familie, bis zur Stilllegung 1954. Von etwa 1900 bis nach dem 1. Weltkrieg stand sie vorübergehend still und wurde in den 1920er Jahren wieder auf- und umgebaut. 1928 erhielt Jakob Manheller die Genehmigung, den Krebs- und Dreeserbach zu stauen.


Die Freunds Mühle

Die Freunds Mühle stand 500m nördlich von Nitz, rechts vom Bierschbach. 1728 gab Mathias Freund vier Sümmer Korn an das Amt Nürburg für den Wasserlauf seines "Mühltgen" zu Nitz. Der Standort dieser erstmals erwähnten kleinen Freundsmühle ist noch unklar, denn als die weiter oberhalb gelegene Bierschbacher Mühle 1760 bachabwärts näher an die Nitz versetzt werden sollte, wird das Freundsmühlchen nicht erwähnt. Das hätte aber der Fall sein müssen, wenn es an der Stelle der späteren Freundsmühle gestanden hätte, denn mit einer Verlegung der Bierschbacher Mühle wäre ihr Wasser entzogen worden. Fest steht, das sie links vom Nitzbach steht, denn die rechte Bachseite gehörte zu Virneburg. 1817 hören wir noch von Johann Peter Freund von Nitz. Die letzte Freundsmühle war bis zum Herbst 1928 in Betrieb, als der letzte Müller Johann Hemmen an Grippe erkrankte und am 16.03.1919 verstarb. Sein jüngster Sohn Martin starb einen Tag vor ihm gleichfalls an Grippe. Im Jahre 1918 hatte in Deutschland eine Grippe-Epidemie geherrscht, die insgesamt fast 200.000 Todesopfer forderte.
Johann Hemmen kam von der Franzenmühle, Gemeinde Arbach. Sein Sohn Valentin war im 1. Weltkrieg gefallen. Dessen Patenonkel war der Müller Valentin Hemmen von der Franzenmühle. Der Sohn Mathias (1898-1986) führte die Mühle nicht mehr fort. Seine Tochter wohnt heute mit ihrer Familie in der ehemaligen Mühle.


Die Bierschbacher Mühle

Im Tal, ca. 1 km südlich von Döttingen, steht auf der linken Seite des Bierschbachs die Bierschbacher Mühle. Sie gehört zur Gemeinde Herresbach. In diesem Bereich ist der Bierschbach die politische Grenze zwischen dem Kreis Daun und dem Kreis Mayen-Koblenz.

Früher stand auf der gegenüberliegenden Bachseite der Bierschbacher Hof. Er gehörte zur Gemeinde Drees. Erstmalig wird die Bierschbacher Mühle zwischen 1550 und 1600 erwähnt. Im 30-jährigen Krieg wurde sie, wie die meisten Mühlen in unserer Gegend, zerstört. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war die Mühle im Besitz von Matthias Schumacher. Er hatte sie von seinem Vater Peter Schumacher geerbt.

 
1760 stellte er bei der kurfürstlichen Hofkammer den Antrag, die Mühle weiter abwärts und damit näher nach Nitz versetzen zu dürfen. Nitz gehörte damals zum kurkölnischen Amt Nürburg, während die Bierschbacher Mühle zur Herrschaft Olbrück gehörte. Als Begründung gab Matthias Schumacher an: "Dieses Mühltgen ist alleinig gelegen und hat keine Wohnstatt dabei. Sollte nämlich das eine oder andere darin mal liegenbleiben, so bestünde die Gefahr des stehlens, wie dies schon des öfteren geschehen wäre. In der Nähe des Dorfes Nitz aber, wo er wohne, könne er die Mühle besser überwachen und die Mahlgäste leichter bedienen." Das Amt Nürburg hatte hiergegen keine Einwände und so begann er mit dem Bau der neuen Mühle und des Mühlteichs. Jetzt erst erfuhren die Nitzer Bauern davon und fühlten sich übergangen. Sie schrieben eine Beschwerde an den Kölner Kurfürsten und fanden es unerträglich, dass es einem Virneburger Untertan erlaubt worden war, ohne Anhörung der Betroffenen auf dem Nürburg-Nitzer Gemeindegrund eine Mahlmühle zu errichten. Sie befürchteten Schäden und Nachteile. Offenbar blieb ihre Beschwerde nicht ungehört, denn die Arbeiten wurden eingestellt und die Bierschbacher Mühle blieb auf ihrem alten Platz.

1798 wohnte der Landwirt und Müller Matthes Küveler (auch Köffler, Kübler oder Küfler geschrieben) in der Mühle. Bis 1860 blieb sie im Besitz der Familie Küveler. Zwischen 1896 und 1898 wurde die Mühle umgebaut und kam in den Besitz von Christian Bierschbach. Dessen Schwiegersohn Michael Halfell betrieb die Mühle bis 1953. Danach wurde sie an einen Arzt aus Bonn verkauft, der sie zunächst als sein Wochenenddomizil nutzte. Später hatte er sie an einen Künstler vermietet, der dort für ein Jahr wohnte. Im Jahre 2000 hat dann Sascha Lettau zusammen mit einem Freund das Anwesen gekauft. Beide wollten dort einen Ferienhof betreiben. Die Pläne haben sich aber zerschlagen. Sascha Lettau bewohnt heute die Mühle allein.

Vom Mühlgraben oder vom Mühlrad ist heute nichts mehr zu sehen. Der Mühlgraben wurde zugeschüttet. Lediglich auf der Stirnseite des Gebäudes ist noch ein Überdach von einem Aufzug zu erkennen. Weiterhin steht neben der Haustür ein alter Mühlstein.

  


 
Die Nitzer Mühle
3 km unterhalb Nitz liegt dicht an der Bundesstraße B258 die ehemalige Nitzermühle. Sie gehört zur Gemeinde Baar und hat ihren Namen vom Nitzbach, obwohl ihr Wasser vom Eschbach kam. Mit dem Ort Nitz hat sie nichts zu tun.
Die Nitzer Mühle war eine landesherrliche Mühle (Kameralmühle) der Grafen von Virneburg, die sie mit einigen umliegenden Wiesen und Feldern gegen eine Jahrespacht von einem Müller bewirtschaften ließen. Ihre Erbauung liegt im Dunkel des Mittelalters. 1432 hatte Arnold von der Nitzer Mühle zwei Mühlen gepachtet und zahlte dafür fünf Malter Korn pro Jahr. Vor 1560 war Müller Enders in der Nitzer Mühle. 1565 geht sie in den Erbbestand seines Schwagers Johann Roß und dessen Nachkommen über, nachdem dieser die Schulden von Engers übernommen hatte.
 
Die Mühle blieb über mehrere Generationen im Besitz der Familie Roß. 1719 wird die Nitzermühle auf 12 Jahre verpachtet an Rudolf Hunroth gegen eine Jahrespacht von fünf Malter Korn, fünf Malter Hafer und sieben Reichstaler für ein Mühlschwein. Die Pacht war jeweils zu Martin (11. November) auf der Virneburg abzuliefern. Rudolf Hunroth zahlte am 24 Oktober 1719 sieben Reichstaler für trockenen Weinkauf. Das war die Ablösungssumme für einen angenommenen Verzehr beim sogenannten "nassen" Weinkauf. Die erste Pacht war 1720 fällig. 1732 wird der Pachtvertrag mit Rudolf Hunroth und dessen Frau Margarete auf weitere 12 Jahre verlängert, "weil sich niemand darum auf vorherige offene Citation (öffentliche Ausschreibung) gemeldet hat". Es wird wieder die alte Pacht vereinbart, jedoch diesmal mit acht Reichstalern trockener Weinkauf.

 
In diesen Jahren kommt Anton Bell als Müllerknecht in die Nitzer Mühle. Er übernimmt diese nach Hunroth auf eigene Pacht. 1762 pachtet er die Mühle auf 18 Jahre. 1776 stellt er den Antrag, den temporal-Pachtvertrag in einen Erbbestands-Vertrag zu ändern. Da er kinderlos ist, setzt er als Erben sein Patenkind Anton Pung ein, der das Müllerhandwerk erlernt hat und seit 1773 im Hause der Eheleute Bell wohnt. Müller Bell stellt gleichzeitig den Antrag, auf seinem Eigentum eine Ölmühle aus eigenen Mitteln anzubauen "zur Linderung des auf erstgedachter Mühle liegenden schweren Pachts".
Die Pacht war dem Müller Anton Bell bei der Übernahme der Mühle beträchtlich erhöht worden auf jährlich

 
sechs Malter Korn,
sechs Malter Hafer,
ein Malter Gerste ein Hof- oder Mühlenschwein,
vier Hähne,
50 Eier,
und neun Albus (sogenanntes Wettgeld).
 
Die Grafen forderten die für die Übergabe in Erbpacht noch ein "Angeld" von 200 Reichstalern. Das war zu hoch, daher blieb es bei dem temporalen Pachtvertrag. 1773 mussten ihm sogar 16 Reichstaler trockener Weinkaufs- und Beisteuergelder, sowie sechs Malter Korn an Pacht erlassen werden.
Der Pachtvertrag wird 1779 mit Anton Bell und 1787 mit Anton Pung um je neun Jahre verlängert. Anton Bell starb im Winter 1787/88. Seine Witwe prozessiert gegen den Grafen wegen Schulden. 1794 kamen die Franzosen, und Anton Pung erwarb die Nitzer Mühle als Eigentum.

1805 heiratet Peter Schumacher die Katharina Pung, Tochter des Müllers Anton Pung. Am 17. Dezember 1805 wird ihnen in der Nitzer Mühle die Tochter Gertrud Schumacher geboren. 1806 stirb die Ehefrau des Müllers Pung. Der Name Pung taucht noch 1811 und 1812 in der Nitzer Mühle auf. Am 22.10.1821 wurde die Nitzer Mühle versteigert und von dem Pächter Matthias Jammler erworben; danach war sie im Besitz der Familie Jammler, auch Gammler geschrieben. 1833 heiratet der Knecht Johann Wilhelm Schäfer von Kolverath die Müllerin Anna Maria Jammler von der Nitzer Mühle.

 
Anna Maria Jammler war 1808 auf der Münker-Mühle geboren, ihr Vater war der Müller Matthias Jammler; ihre Mutter, Maria Katharina Weber war 1816 auf der Nitzer Mühle verstorben. Jammler-Schäfer mussten die Mühle jedoch aufgeben, sie kam in den Besitz der Familien May-Küveler. Dann heiratete Michael Werner die Müllerstochter Katharina Küveler und zog in die Mühle ein. Er zahlte die Geschwister seiner Frau und die Familie May aus und wurde damit neuer Inhaber der Nitzer Mühle. Die Verkäufer Küveler-May wanderten zum Teil 1890 nach Amerika aus. Unter Michael Werner florierte die Mühle. Er fuhr bis zu Beginn des 1. Weltkrieges mit einem Pferd in die Dörfer und holte das Getreide bei den Bauern ab, anschließend fuhr er das Mehl und Kleie wieder zurück. Den Molter behielt er als Mahllohn ein. 1901 baute er das heutige Gebäude mit Bruchsteinen vom nahen Berg. Sein Sohn Johann blieb im 1. Weltkrieg (1914).
Sein Sohn Peter Werner (1897-1971) war der letzte Müller in der Nitzer Mühle. Er legte sie 1963 im Zuge des großen Mühlensterbens still.

Die Mühlen am Eschbach
Oberhalb der Nitzer Mühle, etwa dort wo die Straße nach dem Ort Nitz abzweigt, fließt der Eschbach in die Nitz. Hier gab es die Mühlen bei dem Weiler Eschbach, bei Herresbach und Oberbaar. Die Baarer Mühle ist wohl die älteste davon. Sie wird schon 1432 mit zwei Malter Pachtkorn erwähnt. 1569 betrug die Pacht bereits vier Malter Korn, abzuliefern an die Virneburg. 1607 wurde sie auf 24 Jahre an Johann von Kirsbach verpachtet für drei Malter Hafer jährlich. 1863 wandert Mathias Küveler von der Oberbaarer Mühle nach Amerika aus. Im 18. Jahrhundert gab es in der Oberbaarer Mühle auch eine Ölmühle. Auf der Karte im Eifelführer von 1909 sind noch alle Mühlen am Eschbach eingetragen.

Die Mühlen zu Virneburg
Im Tal Virneburg stand schon zur Zeit der Römer eine Mahlmühle, denn man hat im Bachbett der Nitz einen römischen Mühlstein gefunden. Im Laufe der Jahrhunderte gab es in Virneburg fünf Mühlen, nämlich
- eine Mahlmühle mit zwei Gängen
- eine Ölmühle
- eine Follmühle
- eine Schleifmühle
- eine Pulvermühle

Die älteste und beständigste war die Getreidemühle. Sie wird schon 1336 zur Abgabe von 12 Malter Roggen und einem Mühlschwein von einer halben Mark Wert herangezogen. 1569 hören wir wieder von ihr, desgleich im 17. Jahrhundert. Um 1800 wird sie mit einem Mahlgang angegeben. Damals waren in der gesamten Grafschaft Virneburg acht Mühlen im Betrieb. In dieser Zeit 1801/06 erwarb Johann Michel die gräfliche Virneburgische Mühle. Sie bestand bis 1950. Der letzte Müller war Müllermeister Josef Müller. Heute ist dort ein Wohnhaus.

Die Vollmühle war eine Walkmühle zur Tuchherstellung. Die gewebten Tücher waren noch sehr lose und wurden durch die Bearbeitung mit hölzernen Stoßhämmern in der Walkmühle verdichtet. Dadurch erhielten sie die gewünschte Festigkeit und Geschmeidigkeit. 1616 zahlte die Walkmühle in Virneburg ein Gulden und sechs Albus für den Wasserlauf an die gräfliche Behörde, desgleichen 1623.
Ein Gulden gab damals 24 Albus, ein Albus zwölf Heller.

Die Ölmühle stand unterhalb des Dorfes im Tal. 1779/80 war sie eine von drei Virneburger Ölmühlen im Nitztal.

Von der Schleifmühle hören wir 1623. Der Schmied Johannes hatte sie im Besitz und zahlte jährlich drei Albus für den Wasserlauf an die Kellnerei der Virneburg.

Der alte Schmied Johannes hatte 1623 auch die Pulvermühle für drei Moselgulden und sechs Albus gepachtet, die erstmals 1624 fällig wurden. Schon 1620 wurde bei Weiler nach Salpeter gegraben. Aber die Ausbeute war nicht nennenswert, so dass der Abbau von Salpeter und die Pulvermühle bald zum Erliegen kamen. In Pulvermühlen wurde Schießpulver hergestellt. Unter Verwendung von Salpeter, Schwefel und Holzkohle. 1621 kaufte der Amtmann insgesamt 86 Pfund Salpeter von Heinrich von Münk und dem Juden von Retterath. 1673 hatten Johannes Bell von Lind eine Pulvermühle und Peters Sohn Peter von Münk eine Walkmühle ohne Genehmigung gebaut.

Die St. Jost Mühle
Die St. Jost Mühle in der Gemeinde Langenfeld wurde vom Achterbach betrieben, der dort bei der Wallfahrtskapelle in die Nitz fließt. Es war eine kurfürstliche Mühle, die aber stets gute Beziehungen zu Virneburg hielt. Über die Verpachtung 1693-1780 findet man Akten im Landeshauptarchiv Koblenz. Die St. Joster Mühle bestand bis 1952. Der letzte Müller war Anton Nett.

 
 
Die Nitztal Mühle
stand unterhalb des Dorfes Nitztal am Nitzbach. Sie gehörte mit dem Ort zur Gemeinde St. Johann. Die Mühle war bis 1933 in Betrieb. Der letzte Müller war Anton Sauerborn.





Die Geschichte zur Baarer Mühle

Unser tägliches Brot gib uns heute… .

Brot war für unsere Vorfahren das wichtigste Nahrungsmittel. Um das Korn, dass die Bauern zuvor im Schweiße ihres Angesichts gesät, gepflegt, geerntet, gedroschen und gelesen hatten, zu Brot zu verarbeiten, war der Müller unentbehrlich um aus Weizen, Roggen, Dinkel oder Hafer, Mehl zu gewinnen. Somit war der Müller einer der wichtigsten Gewerke in einem Dorf. Die Mühle war in der bäuerlichen Gesellschaft die einzige Einrichtung, die nicht in jedem Bauernhaus vorhanden war. Alle anderen Verrichtungen konnten in Selbstversorgung wahrgenommen werden.

Müller galten im Allgemeinen als etwas unheimliches und man empfand sie als seltsam, da sie immer abseits von dem Dorf an einem Bach lebten und man nie tatsächlich nachvollziehen konnte, ob das gesamte Korn was man abgab, auch als Mehlmenge zurückkam. Aufgrund dessen ist der Müller auch ein alter Bekannter im Märchenland, der uns vielerorts begegnet, und dessen Mühle oft Schauplatz mancher Märchenbegebenheiten ist.

Allerdings war das Müllerleben auch von sehr harter Arbeit geprägt. Jeder mit Korn gefüllte Sack, musste mindestens dreimal hoch getragen und neu gemahlen werden bis das Mehl fein genug war. Und der ständige Staub schlug unerbittlich auf die Lungen. So auch in der alten Küwelisch Müll in Owerboor. Josef Werner *1920 - +2008 (mein Vater) betrieb die Mühle in 2. Generation, gemeinsam mit seiner Frau Juliane Werner *1920 - +2004. Er war der letzte Müllermeister von Oberbaar, da er mit dem Einzug der modernen Industrie mit seiner in die Jahre gekommenen Holzmühle und den daran dringend erforderlichen Reparaturen, nicht mehr mithalten konnte. Er schloss schweren Herzens die Mühle und wechselte 1952 in den modernen Straßenbau.

Sein Vater Michel Werner *1885 - +1939 hingegen war zeitlebens Müller gemeinsam mit seiner Frau Marie Werner *1887 - +1944. Michel Werner verstarb jedoch im Alter von 54 Jahren infolge einer Lungenentzündung. So das Marie Werner der "Baarer Müllermeister" wurde. In ihren drei Söhnen konnte sie vorerst keine Unterstützung finden, da diese von Beginn an im 2. Weltkrieg dienten. Ihre Tochter Anna war bereits verheiratet und hatte ihre eigene Familie in Engeln.

Aus dem Munde von Gerda Degen, Kirchwald (heute 83 Jahre) klang das so: "De Märian war en jeduldisch un fleißig Froh - und et wor ömme alän." Gerda Degen war die Nichte von Marie Werner und verbrachte meist ihre gesamten Ferien auf der Baarer Mühle. Sie beschreibt die körperlich harte Arbeit von der Müllerin und die voranschreitende Staublungenerkrankung.
Auch erzählte sie wie Marie, trotz der schweren Zeit, den Leuten im Dorf half. Im 2. Weltkrieg war das Essen begrenzt und jeder Familie stand lediglich eine geringe Mehlmenge zu. Die Dorfleute kamen deshalb abends spät, im Schutze der Dunkelheit, um heimlich Getreide zu mahlen. Sie kamen den Waldweg über dem Haus (der alte Herresbacher Kirchweg) entlang. Dieser führte dann direkt vom Wald zur Eingangstür der Mühle. Die Dorfmänner schulterten die Säcke und füllten sie von oben direkt in den Mahltrichter ein.

Den Mahlvorgang beschreibt sie wie folgt:
Das Korn wurde von oben in einen Fülltrichter geschüttet. Von dort lief es durch die beiden mächtigsten von Wasserkraft angetriebene Mühlsteine. Die Mühlsteine waren in der Innenseite mit Querriefen versehen. Bei dem ersten Mahlgang fiel die Kleie (Schale) von dem Korn ab. Weiter lief das Getreide durch ein Sieb. Von dort durch zwei verschiedene Holzkanäle. Ein Behälter füllte sich mit Kleie und das Mahlgut hingegen fiel gesondert in einen größeren Holzbehälter. Um die Staubentwicklung etwas einzudämmen, war rundum ein Tuch befestigt.

Das Mehl wurde dann in der Schütt erneut nach oben getragen um den Mahlvorgang zu wiederholen. Im zweiten Durchgang wurden die Mühlsteine enger gestellt. Insgesamt waren drei Mahlgänge erforderlich um das Getreide zu feinem Mehl zu verarbeiten.

Noch vor Kriegsende kam mein Vater, da er verwundet war, vorzeitig in den Heimatdienst zurück und nahm seiner Mutter die schwere Arbeit ab und die Zeiten wurden zunehmend besser.

Elfriede Jütte

  



Die Angaben auf dem Bild stammen von Herrn Josef Knechtges. Er war in der Herresbacher Mühle Müller.
Er beschreibt auch noch, wie bei Unwetter die Müller lachten und die ganze Nacht durchgearbeitet haben, denn durch die Wassermengen wurde das Korn wie von selbst gemahlen.



  



Zum Schluss

Es gibt überall in Deutschland die verschiedensten Arten von Mühlen.

 
Viele sind auch in Mühlenstraßen zusammengefasst und können leicht mit Fahrrädern oder zu Fuß erwandert, erfahren werden.

Beispiele:
Westfälische Mühlenstraße
(verbindet 42 Wind-Wasser und Rossmühlen)
Mühlenstraße Oberschwaben (100 Mühlen)
Niedersächsische Mühlenstraße (301 Mühlen)

Das internationale Wind- und Wassermühlenmuseum in Gifhorn (Niedersachsen) ist mit seinen Mühlen eine europaweit einzigartige Einrichtung. Auf dem rund 16ha großen Freigelände des Museums befinden sich derzeit 16 originale oder originalgetreu nachgebaute Mühlen aus 12 verschiedenen Ländern, die in ihre herkunftstypische Landschaftsumgebung eingebettet sind. Auf dem gesamten Gelände sind auch historische Gegenstände des Mühlen- und Müllereiwesens ausgestellt.
Die Museumsanlage ist verkehrsgünstig in der Nähe des Kreuzungspunktes der Bundesstraßen 4 und 188 gelegen. Das Museum ist Station 65 der Niedersächsischen Mühlenstraße.




Quellen:
Wikipedia
Mühlen der Eifel. Buch von Erich Mertes

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