Die Geschichte von Niederbaar

Der Besitz der Grafschaft von Virneburg in Niederbaar

von Pfarrer Aloys Richter

Früher gab es kein Katasteramt und keine Flurkarte. Daher sind wir über die frühere Verteilung des Grundbesitzes schlecht informiert. Ab und zu findet man von einzelnen Dörfern Flurskizzen. Für unsere Gegend sind auch die Besitzverhältnisse und die sozialen Strukturen noch nie erforscht worden.

Seit dem Mittelalter haben sich die Verhältnisse geändert. Ganz früher gab es die Herrenhöfe, die sogenannten "Saalhöfe", auf denen der Grundherr das Land mit hörigen Leuten bewirtschaftete. Je näher wir dem Jahre 1800 kommen, um so mehr haben sich die Verhältnisse verschoben. Der Landesherr bewirtschaftete sein Land nicht mehr in eigener Regie. Zuerst verpachtete er es gegen Abgabe von Feldfrüchten und Naturalien, später zunehmend gegen Geld. In den Dörfern gab es Bauern, die mehr oder weniger Land besaßen. Ein großer Teil der Feldflur war Wild- oder Ödland und konnte nicht in der heutigen Form bewirtschaftet werden. Damals gab es keinen Kunstdünger und das Zugvieh war zu schwach, um die Böden tief umzupflügen. Dieses Land war meist im Besitz einer Dorfschaft, auf denen die Dorfherden (Kühe, Schafe und Schweine) weideten.

Es gibt keine Informationen, wie viele Leute es in den Dörfern gab, die keine Ländereien besaßen. Sie gehörten der Unterschicht an, verdienten entweder ihren Unterhalt als Knechte oder Mägde oder bestritten ihren Lebensunterhalt durch betteln.

Das Land der Virneburger Grafschaft wurde immer wieder meistbietend auf mehrere Jahre verpachtet. Es gab allerdings auch Familien, die seit Generationen auf dem Hofe saßen. Sie hatten einen Bestandsbrief.

Das Wort "Hof" oder die Verkleinerungsform "Höfgen" bezeichnete zunächst nur einen Komplex an Land. Es wurde eigens vermerkt, ob auch ein Hofhaus mit Stall und Scheune dazu gehörten.

Nach Eva Lacour "Geschichte der Grafschaft Virneburg in der frühen Neuzeit, Verwaltung und Wirtschaft" hat man die Grafschaft nach dem Ertrag der Felder in 4 Lose aufgeteilt:

1. Los:   Weiler und Luxem,
2. Los:   Hirten, Niederelz, Anschau, Mimbach, Retterath, Arbach, Oberelz, Lierstal
3. Los:   Münk, Nitz, Lind und das Kirchspiel Wanderath (dies bezieht sich nur auf die Baar)
4. Los:   Mannebach, Bereborn, Kolverath

Am 24. Oktober 1780 wird unter der Leitung von Landvogt Rosenwaller, also wenige Jahre bevor die Franzosen das linke Rheinufer annektierten und das gräfliche Land requirierten, Land verpachtet.


Auszug aus dem Staatsarchiv Wertheim F 103-114 alte Zählung:
In Niederbaar werden versteigert:

1. Das Geiselhöfgen

Es besteht aus 2 Morgen und 39 Ruten Ackerland dritter Klasse und aus 10 Morgen und 118 Ruten zum Teil wilder Heiden, welches zum Anbauen untauglich war. Es bringt 4 Karren Heu.

Die vorigen Pächter Johannes Pütz, Witwe Johannes Mey, Adam Kaufmann und Johannes Ginsterblum, alle von Niederbaar, erbieten sich das Land wieder für 4 Malter Hafer und 4 Hähne zu übernehmen. Dazu kommen 27 Albus Trockenweinkauf. (Weinkauf war die Bezahlung der Zeche und damit die Bekräftigung bei einem Handel. Trockenweinkauf dürfte wohl bedeuten, dass hier nichts ausgegeben wurde, sondern die Herrschaft das Geld einstrich).

Die Pacht gilt als sehr hoch für das magere Land, daher bietet kein anderer und die vorigen Pächter erhalten unter Reservation den Zuschlag.



2. Der Guckerts Kümpel

Sie wird auf 5 Karren Heu geschätzt. Vorherige Pächter waren Johannes Pütz, Johannes Mey und Adam Mey aus der Baar.Die Pächter bringen vor, dass die Wiese zwar eine Grummetwiese genannt und im Landmaß angeführt ist, dagegen wegen ihrer trockenen und dürren Lage mitnichten Grummet abgemäht werden kann. Sie diene nur zur Viehweide. Sie wollen aber wiederum 3 Malter und 4 Sümmer Hafer und 18 Albus Trockenweinkauf geben. Sie erhalten den Zuschlag.



3. Der Saalhof zu Niederbaar

Er hat ein ziemlich brauchbares Wohnhaus, so noch in gutem Stand, eine Scheuer und einen Stall zum Rindvieh. Der Stall ist aber reparaturbedürftig. Dazu kommt ein Garten von einer Rute Länge und Breite.

Er hat an Ackerland

Morgen

Ruten

1. Klasse

-

-

2. Klasse

4

136

3. Klasse

20

32

Er hat an Ackerland

24

-

Er hat an Ackerland

43

135

Dieses Land kann alle 20-30 Jahre einmal gewendet werden. Es ist also Schiffelland.

Der Saalhof bringt 11 Karren und 7 Kluth Grummetheu und 2 Karren und 29 Kluth Außenheu.

Nun meldet sich der alte Beständer Valerius Heimermann und bringt vor, dass er ziemlich hoch an Jahren sei und allein den Hof nicht mehr bewirtschaften könne. Er könne aber noch die Hälfte übernehmen, wenn ein tüchtiger und angenehmer Untertan die andere Hälfte übernehme. Er schlägt den Peter Jünger, den Heimbürger (= Vorsteher) zu Niederbaar vor. Der willigt ein, aber mit Ausschluss der Gebäulichkeiten, mit denen er selbst notdürftig versehen ist. Beide bieten die alte Pacht, die aber "weit übertrieben ist," nämlich

4 Malter Korn
1 Malter Gerste
6 Malter Hafer
Hofschwein zu 4 Talern
6 Hähne
100 Eier
2 Taler Trockenweinkauf.

Da kein anderer bietet, erhalten beide den Zuschlag. (Ein Hofschwein ist wohl ein Schwein, das im Stall gefüttert wurde und sich nicht sein Futter selbst im Wald suchen musste).

In der Franzosenzeit 1813 ist der Pächter ein Anton Spitzley. Der Hof wird zum Schätzpreis von 3300 Franken zur Versteigerung zugunsten der französischen Staatskasse angeboten. Von einem Verkauf erfahren wir nichts, auch nicht von einem neuen Besitzer.

Der Name Saalhof könnte auf einen alten Herrenhof hinweisen. Er lag an der Stelle, wo sich jetzt das Haus Eberhard (früher Müller) befindet. Der Hausname "Hommes" deutet auf einen früheren Vorsteher oder einen größeren Hof hin.


 

Bild links:

Saaleingang Gashaus Hennrichs
von links nach rechts:
hinten:
Matthias und Johann Hennrichs
vorne:
Anna Pauly, geb. Hennrichs Maria Schumacher, geb. Hennrichs

Bild rechts:

Katharina Hennrichs, geb. Ant und Martin Hennrichs

 




Die Unternehmer von Niederbaar



Johann Hennrichs und Franziska Hück geb. Hennrichs vor der Gaststätte


1. Gasthaus Martin Hennrichs (Bild)
Dort wo heute Dieter Schumacher in der Mayener Str. 7 wohnt, war bis zum Jahre 1960 eine Gaststätte. So wie recherchiert werden konnte, wurde sie von Johann Hennrichs und seiner Ehefrau Katharina geb. Thelen eröffnet. Die Kinder Maria (verheiratete Schumacher) und Martin mussten mithelfen. Martin übernahm später mit seiner Ehefrau Katharina, geb. Ant das Geschäft. Als die Mutter im Jahre 1960 starb, wurde die Gaststätte geschlossen.

Der Wirtsraum war dort, wo heute Dieter Schumacher das Wohnzimmer hat. Im rückwärtigen Gebäude befand sich noch ein kleiner Saal, in dem zu Pfingsten immer eine Tanzveranstaltung stattfand.

Zur Kirmes wurde auf der gegenüber liegenden Wiese ein Festzelt aufgestellt. Es stand zwischen Bundesstraße und Eschbach. Im Ausschank hatte man Löwenbräu und später Königsbacher.

Bereits 1918 hing im Wirtsraum ein öffentliches Telefon. Wurde jemand aus dem Dorf oder sogar, was nicht selten vorkam, aus Oberbaar angerufen, musste man den Leuten die Nachricht überbringen (oder ans Telefon rufen).

Zur Fußballweltmeisterschaft 1954 schaffte man sich auch ein Fernsehgerät an. Es stand im Wohnzimmer. Hier verfolgte das ganze Dorf die Weltmeisterschaft. Maria Schumacher erinnert sich noch, dass auch später noch Oberbaarer kamen und sich die 3 Folgen des Films "Soweit die Füße tragen" anschauten.

Maria Schumacher weiß noch die eine oder andere Anekdote zu erzählen. So reinigten eines Frühjahrs die Männer von Niederbaar den Mühlgraben der Nitzer Mühle. Jammelesch Pitte (Peter Werner, Besitzer der Mühle) gab den Männern hierfür Schnaps und Brot. Nachdem man nach getaner Arbeit schon einiges getrunken hatte, suchte man geschlossen das Wirtshaus auf. Hier trank man weiter bis alle ziemlich stark betrunken waren. Schneidesch Toni (Anton Hennrichs) sagte dann, dass er nicht durch die Haustür nach Hause gehen würde und schlug immer wieder mit der Faust gegen die Außenwand. Auf einmal löste sich das Gemäuer des Fachwerks und es entstand ein größeres Loch . Durch dieses Loch ging er dann nach Hause.

2.Gasthaus Schmittenhöhe
Die Gaststätte wurde im Jahre 1959 eröffnet. Bernhard Schmitt hatte nach der Heirat mit Christine neu gebaut und später die Gaststätte eröffnet. Im Jahre 1997 übergab er sie an seine Tochter Hannelore Augel. Sie feiert am 01.01.2007 10jähriges Jubiläum.

3. Schuster Josef Hennrichs
Im Elternhaus von Manfred Hennrichs betrieb in den 30er Jahren Schneidesch Jupp (Josef Hennrichs) eine Schusterwerkstatt. Josef Hennrichs war der Schwiegervater von Elisabeth Hennrichs und der Onkel von Manfred Hennrichs. Nach der Schule lernte er in Adenau beim Schuhhaus Bell das Schusterhandwerk. Danach eröffnete er 1918 eine Schusterwerkstatt. Nach der Heirat baute er auf der gegenüberliegenden Seite vom Eschbach ein neues Haus und richtete dort die Werkstatt ein. Es war das erste Haus in der heutigen Brückenstraße. Zu dieser Zeit führte schon eine Brücke über den Eschbach. Bis kurz vor seinem Tode, Josef Hennrichs verstarb 1971, reparierte er noch Schuhe.

Bild rechts:
Schusterwerkstatt Josef Hennrichs

4. Kolonialwarengeschäft Michael Pitzen
Dort wo sich heute in der Dorfstraße das Haus "Wunderbaar" befindet, war früher das Kolonialwarengeschäft Michael Pitzen. Er führte das Geschäft von 1929 bis zum Kriege. 1960 eröffnete sein Schwiegersohn Pitesch Anton (Anton Steffens) und seine Ehefrau Hildegard das Geschäft erneut und betrieben es bis in die 70er Jahre.

Sogar aus Nitz ging man dorthin einkaufen. So kam auch öfter die "Botterami" nach Niederbaar zu Pitesch, kaufte Wurst und besonders Mohrenköpfe. Vor dem Nachhauseweg setzte sie sich auf die Bank vor dem Geschäft und stärkte sich ausgiebig mit den Mohrenköpfen. Dies sah man nicht nur ihren Hüften an.

5. Bierniederlage Agnes Groß
In den 70er und 80er Jahren betrieb Schomesch Agnes (Agnes Groß) in der Dorfstraße eine Bierniederlage. Sie verkaufte St. Martin Bräu. Weiterhin verteilte sie die Butter, welche die Bauern von der Molkerei für abgelieferte Milch erhielten.

6. Nachtbar "Alfred Kopp"
Ende der 70er Jahre eröffnete Alfred Kopp in Niederbaar eine Nachtbar. Der Eingang war in der Dorfstraße schräg gegenüber dem Anwesen von Schomesch Alfred (Alfred Linnerz) und ist noch heute zu sehen (Eisentür in der blauen Dachgaube). Man sagt, dass der damalige Gemeinderat auch die Bar einmal aufsuchte. Natürlich nur aus wissenschaftlichen Gründen und aus Fürsorge.

7. Bauunternehmer Matthias Schmitt
Matthias Schmitt gründete etwa 1870 ein kleines Bauunternehmen. Er wohnte in der Mayener Straße. Später übergab er das Unternehmen an seinen Sohn Johann Schmitt. 1950 übernahm Linnerz Ernst (Ernst Schmitt) das Geschäft. Im Jahre 1964 zog Ernst Schmitt nach Oberbaar. Das Unternehmen wird heute in vierter Generation von seinem Sohn Alfred Schmitt geführt.

8. Schmiedewerkstatt Josef Schmitt
Dort wo heute in der Dorfstraße Jonesse Hermann (Hermann Schmitt) wohnt, betrieb früher sein Vater Jonesse Deck (Josef Schmitt) eine Schmiede. Josef Schmitt war aus Anschau. Nach der Heirat mit Anna geb. Jonas zog er nach Niederbaar. Das Schmiedehandwerk hatte er von seinem Vater gelernt, der in Anschau ebenfalls eine Schmiede betrieb. Das Schmiedefeuer, den Blasebalg den Amboss und die Werkzeuge kaufte er in Kaltenborn. Josef Schmitt beschlug überwiegend Kühe und Ochsen und zog Eisenringe auf Holzwagenräder. Weiterhin verkaufte er im Krieg Strangtabak und Zigaretten. 1962 schloss er die Werkstatt.

9. Gemeindestier
Josef Schmitt hielt auch den Gemeindestier. Um den Futterbedarf zu decken, stellte die Gemeinde ihm eine Wiese zur Verfügung, die sogenannte "Häänzewiss". Sie war in der Herresbach, dort wo Hommes Hermann (Hermann Eberhard) heute seinen Fischweiher hat. Später wurde der Gemeindestier beim Pitte seinem Johann (Johann Jonas) untergestellt.

10. Stein Mechel (Michael May)
Stein Mechel machte in Niederbaar Hausschlachtungen und half in der Nachbarschaft beim Kalben aus.

Früher durften die Kinder nicht zusehen, wenn ein Kalb geboren wurde. Wenn die Kinder dann das neu geborene Kalb sahen, sagte man ihnen, dass das Kalb aus dem "Komp" (Futtertrog) im Stall geboren wurde.

Ebenso sagte man, dass die neu geborenen Kinder aus dem "Kindchesloch" der Burgruine in Virneburg kamen. Die neugeborenen Kinder wurden von der "Ditze Wäß" aus Virneburg in ihrem Köfferchen mitgebracht. Die "Ditze Wäß" war die Hebamme aus Virneburg. Es handelt sich hierbei um Katharina Fuchs, welche 1930 letztmalig bei einer Geburt half.

11. Fahrende Händler in Niederbaar
Wie überall in den Dörfern versorgten auch fahrende Händler die Niederbaarer mit Kolonialwaren, Lebensmitteln, Textilien usw. So versorgte zu Beginn der 30er Jahre der Bäcker Peter Löhr aus Virneburg die Niederbaarer mit Brotwaren. Er spannte vor seinen Handwagen Hunde und fuhr so seine Backwaren aus. Dann kam 1936 bis 1965 Bäcker Ludwig Müller mit seinem VW-Bus und von 1949 bis 1966 Bäcker Franz Schäfer hinzu. Anfang der 50er Jahre fuhr auch Peter Lang seine Backwaren aus. Er übergab später das Geschäft an seinen Sohn Horst Lang, der bis heute dieser Arbeit nachgeht. Alle Bäcker waren aus Virneburg.

Kurz vor Beginn des 2. Weltkriegs fuhr Michael Schmitt aus Virneburg über das Land. Er kam mit seinem Fahrrad und hatte ein Fass mit Heringen dabei. Aus diesem Grunde wurde er auch "Heringsmichel" genannt. Später schaffte er sich einen Opel Blitz an und erweiterte seinen Warenbestand auf Kolonialwaren.

Nach dem Krieg kam Wilhelm Müller aus Virneburg nach Niederbaar. Er hatte einen Opel Blitz und führte zuerst Kolonialwaren und später verpackte Lebensmittel in seinem Sortiment. Ende der 50er Jahre fuhren dann noch folgende Händler durch Niederbaar: "Traute Johann" (Johann Schmitt aus Virneburg), "Meuspe Karl" aus Meuspath, "Ääsele" aus Insul und Hennrichs Karl (Karl Müller) aus Virneburg. Sie hatten für die damaligen Verhältnisse ein umfangreiches Warensortiment und waren teilweise schon mit Kühlanlagen ausgestattet. Dadurch konnten sie auch Wurstwaren und Gemüse verkaufen. Weiterhin kam um 1948 ein Herr Seeger aus Virneburg, der Gemüse, Kartoffel und Obst verkaufte.

Aber auch mit Kurzwaren, Textilien, Schuhen und Töpfen wurden die Niederbaarer versorgt. So kam nach dem Krieg Sauesch Jupp (Josef Pitzen aus Niederbaar, später Wanderath) mit seinem Köfferchen. Er hatte Reißverschlüsse, Knöpfe, Gummi, Zwirn usw. im Angebot. Später, als er einen VW Käfer hatte, bot er auch Schürzen, Hosen, Socken, Arbeitsjacken usw. an. Mit Kurzwaren kamen auch Anna Koßmann sowie Peter Schmitt (Heringspitte) aus Virneburg.

Mit Schuhen fuhr Anfang der 60er Jahre der Virneburger Schuster (Alois Ley)m durch Niederbaar. Wollte man Schuhe kaufen, so bestellte man die entsprechende Größe. In der darauf folgenden Woche hatte er die Schuhe dabei und man konnte anprobieren und kaufen. Ebenso nahm er Schuhe mit zur Reparatur in seine Werkstatt und brachte sie eine Woche später wieder zurück.

Beladen mit Töpfen fuhr in den 60er Jahren 2 mal im Jahr das "Döppeauto" durchs Dorf. Der Kastenaufbau hing voll mit Töpfen, Schüsseln, Körben, Fußmatten, Teppichklopfern usw. Das "Döppeauto" kam aus Oberkeil bei Spangdahlem.

Bild links
von links nach rechts: Agnes Wagner, Franziska Hück, und vermutlich Dina Schmitt

Weiterhin kam der "Fulte Pitte" aus Hirten, sowie ein Ehepaar aus Niederelz. "Fulte Pitte" machte Körbe aus Weiden und das Ehepaar reparierte Schirme und lötete Töpfe. Das Ehepaar richtete in der Kurve an der Bundesstraße zwischen Niederbaar und Mittelbaar sein Lager ein. Die Frau ging dann in die Dörfer um die defekten Töpfe, Schüsseln und Schirme einzusammeln. Nachdem der Mann die Sachen dann repariert hatte, brachte die Frau sie zurück und kassierte das Geld.

12. Die ersten Kraftfahrzeuge
Bereits vor dem Krieg hatte Klose Christ (Christan Werner) einen alten Lanz Bulldog. Diesen hatte er sich für das Umlegungsverfahren gekauft. Er machte damit Felder urbar und setzte ihn zum Holzrücken ein.

Bild links
Von links nach rechts: Jonesse Hermann (Hermann Schmitt), Schoste Alfred (Alfred Hennrichs), Müllesch Konrad (Konrad Werner), Klose Ewald (Ewald Werner), Ruthannese Werner (Werner Jonas), Hummes Eduard (Eduard Müller), Stein Erich (Erich May) - alle mit DKW Motorrädern

1955 hatte Sauesch Jupp (Josef Pitzen) bereits ein Auto. Es war ein VW Käfer. Danach bekam sein Schwager Sauesch Mättes (Matthias Schmitt) ein hellgrünes und Schull Pitte (Peter Halfmann) ein blaues Goggombil.

Eines Tages, im Jahre 1959 fuhr Schull Gottfried (der Sohn von Schull Pitte) und Schneidesch Dieter (Dieter Schumacher) mit dem Goggo nach Hoffeld in den Steinbruch. Kurz vor Hoffeld fuhren sie wohl zu schnell in eine Kurve und überschlugen sich mehrfach. Zum Glück wurde dabei keiner ernsthaft verletzt. Um sich vom Schreck zu erholen und dem lieben Gott zu danken, dass nichts passiert war, gingen sie anschließend in die Wirtschaft nach Hoffeld. Wie die Sache dann endete, weiß man nicht mehr so genau.

Bild rechts
Sauesch Mättes mit seinem Goggo anno 1956

13. Poststelle in Niederbaar
Zuerst war die Poststelle im Wirtshaus von Martin Hennrichs. Sein Sohn Matthias Hennrichs war Briefträger. Dieser baute Anfang der 60er Jahre ein Haus und richtete dort eine Poststelle ein. Weiterhin übernahm er den öffentlichen Fernsprecher.

14. Der Postbus
In den 20er Jahren wurde die Postbuslinie Mayen-Adenau eingerichtet. Auch Niederbaar erhielt an der Durchgangsstraße eine Haltestelle. Den Bus fuhr Peter Schmitt aus Virneburg.

1929 kam es zu einem tragischen Verkehrsunfall. Kette Josef (Josef Schüller), er war 9 Jahre alt, fuhr mit seinem Schlitten die Dorfstraße hinunter. Er konnte an der Bundesstraße nicht mehr rechtzeitig bremsen. Genau zu diesem Zeitpunkt kam der Postbus aus Adenau angefahren. Kette Josef geriet unter den Bus und wurde tödlich verletzt.

15. Dreschplatz
Der Niederbaarer Dreschplatz war auf der Martinsnück. Ende der 50er bis Ende der 60er Jahre kam im Herbst Netzermüllesch Jupp aus Virneburg (Josef Werner) mit seiner Dreschmaschine und stellte sich auf den Dreschplatz. Da dort kein Strom zum Betrieb der Dreschmaschine vorhanden war, wurde sie mit der Motorkraft des Traktors angetrieben.

Bild rechts
Dorfjugend 1956:
Schoste Alfred (Alfred Hennrichs), Stein Erich (Erich May), Klose Josef (Josef Retterath), Ruthannese Werner (Werner Jonas), Klose Ewald (Ewald Werner), Jonesse Hermann (Hermann Schmitt), Müllesch Konrad (Konrad Werner)

16. Binninger Mattes (Matthias Hennrichs)
Zwischen den Anwesen Jonesse Hermann (Hermann Schmitt) und Schomesch Günter (Günter Groß) stand früher ein Haus. Hier wohnte der Binninger Mattes mit seiner Frau. Sie hatten keine Kinder. Wie es der Name schon sagt, stammte Matthias Hennrichs aus Binningen. Mattes war dem Alkohol nicht abgeneigt. So war er auch eines sonntags derart betrunken, dass er von Klose Christ (Christian Werner) und Linnerz Jakob (Jakob Schmitt) auf der Leiter von Wanderath nach Niederbaar getragen werden musste. Als er etwa in Höhe von Pitesch war und nur noch wenige Meter bis nach Hause hatte, wurde er plötzlich wach, stand auf und sagte: Jetzt könnt ihr den Mattes am Ar....... lecken.

17. Lehmkaul
An der Straße nach Nitz hatte Niederbaar eine eigene Lehmgrube. Mit diesem Lehm wurde das Fachwerk an den Häusern ausgemauert, der Boden in den Scheunen (Scheuredenn) hergestellt und bei Prellungen die Gelenke mit angewärmtem Lehm umwickelt. Weiterhin wurde der Lehm benutzt, wenn das Vieh ein "schnüdes Dinge" (Verletzung) am Fuß hatte. Mit einem Lehmwickel, der mit Essig getränkt war, umwickelte man den verletzten Fuß des Tieres.


18. Steinbruch
Niederbaar hatte 3 Steinbrüche. Einer war dort, wo heute die Schutzhütte steht. Der zweite war in der Linkskurve direkt an der Bundesstraße zwischen Niederbaar und der Nitzermühle und der dritte war in der ersten scharfen Rechtskurve, wenn ich das "Käppchen" hoch in Richtung Nachtsheim fahre. Der Steinbruch an der Schutzhütte war der Gemeinde und hatte schlechte Steine. Die Steine zersetzten sich mit der Zeit. Der zweite Steinbruch an der Bundesstraße gehörte Önnelinnerz (Johann Schmitt) und Ovelinnerz (Hubert Schmitt) und der dritte gehörte Klose Christ (Christian Werner) sowie Klose Jüsep (Josef Retterath). Die Steine, die dort gebrochen wurden, waren von besserer Qualität. Sie fanden Verwendung beim Hausbau und später auch im Straßenbau. So wurde der Unterbau der Bundestrasse mit diesen Bruchsteinen hergestellt. 19. Bunker
Im zweiten Weltkrieg hatte Niederbaar drei Bunker. Ein Bunker war in dem Waldstück, dort wo heute Inge Schmitt wohnt. Der zweite war im Berg gegenüber Schul Pitte (Peter Halfmann) und der dritte war am Hohlweg in Höhe Hommes (Hermann Eberhard). Am tiefsten war der Bunker des Unterdorfs. Klose Jüsep hatte diesen gegraben. Er hatte Zugang zu Sprengstoff und sprengte den Stollen in den Fels.

20. Schofskömpel
Der "Schofskömpel" war am Nitzbach oberhalb der Brücke in Richtung "Käppchen". Hier wurden die Schafe gewaschen. damit die Wolle vor dem Scheren sauber war. Auch die Nachtsheimer Schäfer kamen hierhin.

21. Die Viehtränke
Dort wo heute die Einfahrt zum Spielplatz ist, war früher eine Viehtränke. Sie bestand aus einem Basalttrog. Hier wurde aber nicht nur das Vieh getränkt sondern auch die Knollen und die Kartoffeln gewaschen. Gespeist wurde die Tränke mit Wasser, aus dem Überlauf des Brunnens von Schull Ernst (Ernst Pitzen) sowie mit Drainagenwasser aus dem gegenüberliegenden Berg.




Das Geiselhündchen und das Hülsemännchen


Wer über Niederbaar berichtet, darf das Geiselhündchen und das Hülsemännchen nicht vergessen. Dort wo man über den Nitzbach in Richtung Nachtsheim fährt, bellte des öfteren das Geiselhündchen. Früher durften die Kinder nicht allein mit dem Vieh auf die dortigen Wiesen fahren, da einige Kinder und auch Erwachsene das Geiselhündchen an dieser Stelle schon gesehen hatten. Das Geiselhündchen war ein schwarzer, großer Hund, der meistens abends aus dem Wald kam und die Leute in Angst und Schrecken versetzte.

Genauso war es mit dem Hülsemännchen. Die Hüls ist das kleine Wäldchen am Wirtschaftsweg in Richtung Freilingen. In diesem Wäldchen wohnte das Hülsemännchen und kam nur nachts aus dem Wald heraus. Wenn einsame Wanderer nachts dort vorbei gingen, hörten sie Geräusche und erschreckten sich.

Bild rechts:
Alfred Hennrichs mit Eltern vor ihrem Haus

Man sagt nun, dass das Geiselhündchen Klose Christ (Christian Werner) schon erschienen war. Er konnte gut Geschichten erzählen und die Kinder hielten sich gerne bei ihm auf. Ab und zu erzählte er dann auch seine Erlebnisse mit dem Geiselhündchen und dem Hülsemännchen. Oftmals hatten die Kinder dann soviel Angst, dass sie nicht mehr allein nach Hause gehen wollten.





 

Bild links:

Christian und Josef Retterath

Bild rechts:

Anna Retterath , die Mutter von Johanna Retterath

 
 

Bild links:

1. heilige Kommunion 1926

Agnes Müller und
Helena Pitzen





Die ältesten Einwohner von Niederbaar



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